Warum wird Martin Luther Mönch?

Über diese keineswegs unbedeutende Frage ist ein Historiker-Streit entstanden, kurz vor dem 500. Gedenken in Wittenberg.

Der bekannte katholische Wissenschaftler Michael Hesemann, Düsseldorf, verteidigte die Darlegungen von Albert Mock („Ab­schied von Luther“/ 1985), Priester und Psychologie-Professor, bei der Oster-Akademie Kevelaer. Gegen Hesemann wendet sich der protestantische Theologie-Professor Thorsten Dietz, Marburg. Hesemann erklärt mit Mock: Luther habe als Student seinen Freund Hiero­nymus Buntz bei einem Duell tödlich verletzt. Sich zu duellieren, darauf stand die Todesstrafe. Rettung? Flucht ins Erfurter Kloster, behaupten Mock und Hesemann.

Der thüringische Bergmannssohn Martin Luther, Doktor der Philosophie, beginnt, 22 Jahre alt, sein ersehntes Jura-Studium. Als der lebensfrohe Student plötzlich, was keiner erwartet und sein Vater ablehnt, bei den Augustinern eintritt, schreibt er: „Nicht freiwillig und in innerem Verlangen bin ich Mönch geworden, sondern in der Angst vor einem plötzlichen Tode habe ich ein erzwungenes und durch die Not abgepresstes Gelübde gelobt.“ War die Not ein Gewitter? Dann war das Gelübde ungültig.

1520 schreibt Luther über einen „in die Kirche Fliehenden“, „dass er wegen seines Deliktes nicht mehr zum Tode oder zu einer anderen Körperstrafe … verurteilt werden darf.“ Dieser Traktat erscheint bereits 1517 anonym.

Professor Dietz nimmt durchaus an, dass befreundete Mitstudenten Luthers umgekommen seien. Hesemann aber verweist auf Luthers Eingeständnis aus dem Jahr 1532: „Nach einem einzigartigen Ratschluss GOTTES bin ich zum Mönch gemacht worden, damit sie mich nicht gefangennehmen.“

Albert Mock zitiert die dokumentarische Darstellung von Dietrich Emme (1983) über die Studentenzeit Luthers: „Was were es, ob einer schon um Besseres und der christlichen Kirchen willen eine gudte stargke Lugen thet?“ Nutzlüge ist nach Luther Pflicht. Als Student trug er einen Degen, mit dem er sich selbst einmal schwer verletzte. Oder war das die Folge eines Duells? Sein Studienfreund Conradus Wigant taucht nicht mehr in der Universität auf.

Vor dem Philosophie-Examen muss­ten die 17 Kandidaten schwören, sich nach der Disputation nicht zu rächen. Kurz darauf stirbt der beteiligte Hieronymus Buntz, Freund Luthers, an „Seitenstichen“. Von diesem Freund spricht Luther öfters und erwähnt die „Stiche“. Ein anderer, namens Dungersheim, spricht von einer „Ungeschicklichkeit“, die Luther zur Pforte des Augustiner-Klosters geleitet habe. An Me­lanch­thon schreibt dieser: „Wenn wir einmal der Gewalt entronnen sind, werden wir unsere Schliche und Fehltritte leicht wie­dergutmachen.“

Jeder der genannten Wissenschaftler deutet die Vorgänge natürlich auch nach seinem eigenen geistigen Hintergrund: „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen“ (Mt 7,20). In einem Sonderdruck „Was trennt die Konfessionen?“ (1 €) hat sich A. Mertensacker mit tieferen Hintergründen auseinandergesetzt.                 Michael Feodor

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