Erzbischof wider Willen

Berühmt geworden sind die Gottesbeweise des Anselm von Canterbury (†  1109). Wenige aber kennen sein bewegtes Leben.

Anselm zählt zu den großen Kirchenlehrern neben Thomas von Aquin (†  1274) und Augustinus († 430). Bevor er Erzbischof von Canterbury in England wird, ist er 15 Jahre Prior im französischen Benediktiner-Kloster Le Bac an der Seine und weitere 15 Jahre Abt in demselben Kloster. Von Geburt ist er Italiener: Als Adliger kommt er in Aosta zur Welt, ist intelligent und schon früh angezogen von dem gelehrten Prior Lancfranc in Le Bac. Als Jugendlicher studiert er dort Theologie und Philosophie, wird Mönch und Priester. Seine Motivation: „Ich brauche einen Ort, wo ich mein Wissen zeigen und vielen hilfreich sein kann!“. Als 1066 die Franzosen England erobern, ruft Wilhelm der Eroberer den Prior Lancfranc als Erzbischof nach Canterbury. Anselm wird Abt in Le Bac.

Von Frankreich nach England

1093 greift wieder die Vorsehung ein: Anselm folgt Lancfranc als Erzbischof von Canterbury. Abt Anselm sträubt sich: Warum soll er die Beschaulichkeit des französischen Klosters und die internationale Bildungsstätte eintauschen mit dem Posten eines Erzbischofs in einem fremden Land? Nein, er lehnt die neue Verantwortung ab. Doch die Kleriker des Wahlkomitees öffnen gewaltsam Anselms Hand und legen seine Hände um den Bischofs-Stab. Dann tragen sie den sich Wehrenden in die Kirche, während das Te Deum erschallt. 1,5 Jahre von zermürbendem Kampf mit dem Normannen-König folgen für den neuen Erzbischof: Anselm sucht die enge Anbindung an den Papst in Rom, der König aber ist dagegen. 4 Jahre wird der neue Erzbischof von Canterbury vom König in die Verbannung geschickt. Erst  Heinrich I. läßt An­selm zurück­kehren.

Kampf und Sieg

Die Reibereien mit dem englischen König gehen aber weiter: Der Erzbischof pocht auf sein Recht, kirchliche Ämter selbst besetzen zu dürfen, aber der englische König beansprucht dieses Recht für sich. Auch Heinrich I. bannt daher Anselm. Diesmal beschlagnahmt er alle Güter des Erzbischofs. Nun schaltet sich der Papst ein und vermittelt. Unter dem Jubel des Volkes kehrt Anselm 1106 wieder nach Canterbury zurück. Der König verzichtet auf die Verleihung der Bischofs- und Abtswürde und unterstellt sich dem Papst in Rom. Sieg Anselms auf ganzer Linie! Im Gegenzug leistet der Erzbischof den Lehenseid an den englischen König. Gedenktag Anselms von Canterbury ist der 21. April.
Sr. Maria Anja

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